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Gewinn- und Verlustrechnung: Aufstellung und Analyse im Rahmen des Controllings

Zweck der Gewinn- und Verlustrechnung

Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt, wie der Unternehmenserfolg im Sinne eines Jahresüberschusses bzw. Gewinns eines Geschäftsjahres entstanden ist, d.h. aus welchen Quellen er in welcher Höhe stammt. Der Erfolg wird als Saldo aus Erträgen (Mehrungen des Nettovermögens) und Aufwendungen (Minderungen des Nettovermögens) – und im Gegensatz zu z.B. einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder einer Kapitalflussrechnung nicht basierend auf Einzahlungen und Auszahlungen – berechnet.

Der Jahresabschluss einer Kapitalgesellschaft soll nach der Generalnorm des § 264 Abs. 2 HGB unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gesellschaft vermitteln. Der Gewinn- und Verlustrechnung kommt dabei die Aufgabe zu, die Ertragslage der Gesellschaft – insbesondere im Hinblick auf Höhe und Quellen des Jahresergebnisses – darzustellen. Darüber hinaus kann aus der Gewinn- und Verlustrechnung unter Zuhilfenahme der Bilanz und des Anlagengitters eine vereinfachte Kapitalflussrechnung* abgeleitet werden, so dass die Gewinn- und Verlustrechnung indirekt auch der Vermittlung der Finanzlage dient.

Die Gewinn- und Verlustrechnung gibt – insbesondere, wenn sie für die Bildung von Kennzahlen verwendet wird, – Anhaltspunkte bzgl. der Rentabilität, der Kreditwürdigkeit (ertragsstarke Unternehmen haben eine höhere Bonität) sowie bzgl. des Unternehmenswerts.

Die einzelnen GuV-Posten sowie das Gesamtergebnis (Gewinn bzw. Verlust) stellen die Ausgangsbasis für zahlreiche im letzten Abschnitt dieses Beitrags behandelte Kennzahlen dar.

Gesetzliche Grundlagen

Die Verpflichtung zur Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung besteht für alle nach den handelsrechtlichen Vorschriften der Buchführungspflicht unterliegende Kaufleute (§ 242 Abs. 2 HGB), sofern diese nicht der Erleichterungsvorschrift des § 241a HGB n.F. i.V.m. § 242 Abs. 4 HGB unterliegen.

Dabei ist die Form der Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung für Kaufleute nicht explizit vorgegeben. Für Kapitalgesellschaften hingegen schreibt § 275 Abs. 1 Satz 1 HGB die Staffelform („Tabellenform“) vor, da aus den Zwischenergebnissen wie z.B. dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wichtige Erkenntnisse über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gewonnen werden können. Aus diesem Grunde werden auch eine stetige Darstellung (§ 265 Abs. 1 HGB) sowie eine Angabe von Vorjahreszahlen (§ 265 Abs. 2 HGB) verlangt. Erträge und Aufwendungen werden unsaldiert ausgewiesen*.

Die Gewinn- und Verlustrechnung nimmt eine Erfolgsspaltung dahingehend vor, dass das Ergebnis der Geschäftstätigkeit in regelmäßig anfallende Bestandteile, die betrieblichen (Betriebsergebnis) oder betriebsfremden Charakter (Finanzergebnis) haben können, sowie in unregelmäßig anfallende Komponenten, die außergewöhnlich oder aperiodisch sind (außerordentliches Ergebnis), aufgespalten wird.

Als Alternativen für die Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung lässt das HGB in § 275 HGB das Gesamtkostenverfahren (GKV) sowie das Umsatzkostenverfahren (UKV) zu. Beide Verfahren führen zu demselben Ergebnis (Jahresgewinn bzw. -verlust), weisen jedoch Erträge und Aufwendungen in unterschiedlicher Höhe aus. Die Abgrenzung der in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen Erträge und Aufwendungen erfolgt entweder auf Basis der produzierten (GKV) oder auf Basis der abgesetzten (UKV) Produkte und Dienstleistungen. Diese Unterscheidung betrifft somit nur den operativen Bereich und nicht den Finanzbereich sowie den außerordentlichen Bereich.

Gesamtkostenverfahren

Das Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB) stellt im operativen Bereich den im Geschäftsjahr erzielten Erträgen sämtliche Aufwendungen gegenüber. Zu den Erträgen zählen neben den Umsatzerlösen auch die Bestandserhöhungen, d.h. der Lageraufbau sowie die aktivierten Eigenleistungen. Die Aufwendungen werden nach Aufwandsarten (Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen etc.) gegliedert.

In der folgenden Tabelle 1 ist die verbindliche Gliederung bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens nach § 275 Abs. 2 HGB dargestellt. Die aufgrund spezieller gesetzlicher Regelungen ggf. zu ergänzenden* Ertrags- und Aufwandsposten im Gesamtkostenverfahren sind kursiv dargestellt. Zwischenergebnisse – die teilweise wie die Gesamtleistung nicht explizit im Gesetz vorgesehen sind oder die wie das Rohergebnis andere Posten saldieren und ersetzen – sind fett dargestellt.

1.

Umsatzerlöse

2.

Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen

3.

andere aktivierte Eigenleistungen

Gesamtleistung

4.

sonstige betriebliche Erträge

a) Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens mit Rücklageanteil (§ 254 Abs. 4 i.V.m. § 281 Abs. 1 Satz 1 HGB a.F., § 281 Abs. 2 Satz 2 HGB a.F.*)

b) Erträge aus der Währungsumrechnung (§ 277 Abs. 5 Satz 2 HGB)

5.

Materialaufwand

a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren

b) Aufwendungen für bezogene Leistungen

Rohergebnis

6.

Personalaufwand

a) Löhne und Gehälter

b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung,

davon für Altersversorgung

7.

Abschreibungen:

a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen sowie auf aktivierte Aufwendungen für die Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs*

b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, soweit diese die in der Kapitalgesellschaft üblichen Abschreibungen überschreiten

c) außerplanmäßige Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen (§ 277 Abs. 3 Satz 1 HGB)*

8.

sonstige betriebliche Aufwendungen

a) Aufwendungen aus der Währungsumrechnung (§ 277 Abs. 5 Satz 2 HGB)

Betriebsergebnis (EBIT)

9.

Erträge aus Beteiligungen,

davon aus verbundenen Unternehmen

10.

Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens,

davon aus verbundenen Unternehmen

a) Erträge aus Gewinngemeinschaften, Gewinnabführungs- und Teilgewinnabführungsverträgen (§ 277 Abs. 3 Satz 2 HGB)

b) Erträge aus Verlustübernahme (§ 277 Abs. 3 Satz 2 HGB)

11.

sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen

a) Erträge aus der Abzinsung (§ 277 Abs. 5 Satz 1 HGB)

12.

Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens

a) Außerplanmäßige Abschreibungen auf Finanzanlagen (§ 277 Abs. 3 Satz 1 HGB)*

b) aufgrund einer Gewinngemeinschaft, eines Gewinnabführungs- und Teilgewinnabführungsvertrages abgeführte Gewinne (§ 277 Abs. 3 Satz 2 HGB)

c) Aufwendungen aus Verlustübernahme (§ 277 Abs. 3 Satz 2 HGB)

13.

Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon an verbundene Unternehmen

a) Aufwendungen aus der Abzinsung (§ 277 Abs. 5 Satz 1 HGB)

14.

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit

15.

außerordentliche Erträge

a) Erträge aus der Umstellung auf das BilMoG (Art. 67 Abs. 7 EGHGB)

16.

außerordentliche Aufwendungen

a) Aufwendungen aus der Umstellung auf das BilMoG (Art. 67 Abs. 7 EGHGB)

17.

außerordentliches Ergebnis

18.

Steuern vom Einkommen und vom Ertrag

a) Aufwand aus der Veränderung bilanzierter latenter Steuern (§ 274 Abs. 2 Satz 3 HGB)

b) Ertrag aus der Veränderung bilanzierter latenter Steuern (§ 274 Abs. 2 Satz 3 HGB)

19.

sonstige Steuern

20.

Jahresüberschuss / Jahresfehlbetrag


Tabelle 1: Gliederungsposten nach dem Gesamtkostenverfahren

Die GuV-Posten des Gesamtkostenverfahrens im Einzelnen

Die Umsatzerlöse werden durch § 277 Abs. 1 HGB definiert als Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Erzeugnissen und Waren sowie aus von für die gewöhnliche Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft typischen Dienstleistungen nach Abzug von Erlösschmälerungen und der Umsatzsteuer. D.h., lediglich der Nettoumsatz wird ausgewiesen.

Erhöhungen oder Verminderungen des Bestands der vom Unternehmen hergestellten fertigen und unfertigen Erzeugnisse umfassen nach § 277 Abs. 2 HGB sowohl Änderungen der Menge als auch Wertänderungen. Abschreibungen auf die Vorräte gehören im Grundsatz zu diesen Wertänderungen. Sofern sie jedoch die in der Kapitalgesellschaft sonst üblichen Abschreibungen überschreiten, sind sie unter dem GuV-Posten Nr. 7 b) des Gliederungsschemas des GKV auszuweisen.

„Bestandsveränderungen“ der (zugekauften) Handelswaren sowie der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe hingegen werden als Wareneinsatz innerhalb des GuV-Postens Nr. 5 a) „Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren“ verbucht und ausgewiesen.

Der Ausweis anderer aktivierter Eigenleistungen dient als Korrekturposten, um die Vermögensmehrungen aus selbsterstellten Anlagen des Sachanlagevermögens sowie die bei Ausübung des Aktivierungswahlrechts des § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB angesetzten Aufwendungen für selbsterstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (v.a. Entwicklungskosten) abzubilden.

Der GuV-Posten „sonstige betriebliche Erträge“ stellt einen Sammelposten für diejenigen im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erzielten Erträge dar, die nicht den anderen Ertragsposten zugerechnet werden können. Darunter werden z.B. ausgewiesen: Erträge aus Verkäufen des Anlagevermögens, Währungsgewinne*, Erträge aus der Herabsetzung von Einzel- und Pauschalwertberichtigungen auf Forderungen und aus der Auflösung von Rückstellungen sowie Zuschüsse bzw. Subventionen. Sind die Erträge hingegen „außerordentlich“, hat der Ausweis unter dem entsprechenden separaten Posten „außerordentliche Erträge“ Vorrang.

Der Materialaufwand umfasst neben dem für die Produktion oder den Handel (aber auch für die aktivierten Eigenleistungen) eingesetzten Material bzw. den zugekauften Handelswaren (inkl. Inventurdifferenzen und außerplanmäßigen Abschreibungen) auch den im Verwaltungs- und Vertriebsbereich entstandenen Materialverbrauch (z.B. für Büromaterial).

Aufwendungen für bezogene Leistungen sind separat unter Posten 5 b) auszuweisen. Dazu zählen von Dritten bezogene Leistungen im Rahmen der Fertigung (z.B. Veredelung), Reparaturleistungen sowie auch Stromlieferungen. Auch der Aufwand für Leiharbeiter oder für freie Mitarbeiter als oftmals bedeutsamer Betrag fällt darunter.

Der Personalaufwand unterteilt sich in Löhne und Gehälter sowie den Sozialaufwand.

Der Posten Nr. 6 a) „Löhne und Gehälter“ umfasst neben den üblichen Lohn- und Gehaltszahlungen auch alle Sachleistungen (z.B. kostenlose Kantinenessen oder Dienstwagen), die gegenüber Arbeitnehmern des Unternehmens erbracht wurden. Voraussetzung für den Einbezug in den Posten ist das Vorliegen eines Arbeits-, Angestellten- bzw. Dienstverhältnisses. Der Ausweis erfolgt in Höhe der Bruttobeträge, d.h. die vom Arbeitgeber für den Arbeitnehmer einzubehaltenden und an das Finanzamt bzw. die Sozialversicherungsträger abzuführenden Steuern und Abgaben sind in dem Posten enthalten. Auch als Verbindlichkeit oder Rückstellung (z.B. für Boni, Prämien oder Abfindungen) passivierte Beträge werden einbezogen.

Der Posten Nr. 6 b) fasst sowohl die üblichen verpflichtenden als auch freiwilligen Sozialabgaben und -leistungen als auch die Aufwendungen für Altersversorgung und Unterstützung (inkl. Zuführungen zu Pensionsrückstellungen sowie Zahlungen an Unterstützungs- und Pensionskassen) zusammen. Unter den sozialen Abgaben (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) werden jedoch nur die Arbeitgeberanteile ausgewiesen, die Arbeitnehmeranteile sind bereits in Nr. 6 a) enthalten. Beiträge zur Berufsgenossenschaft werden ebenfalls unter Nr. 6 a) erfasst. Die aus dem Aufzinsungseffekt resultierenden Erhöhungen der Pensionsrückstellungen sind hingegen unter dem Posten Nr. 13 „Zinsen und ähnliche Aufwendungen“ auszuweisen (§ 277 Abs. 5 Satz 1 HGB). Altersvorsorgeaufwendungen sind separat als Davon-Vermerk anzugeben.

Der Posten Nr. 7 a) erhält sowohl die planmäßigen als auch die außerplanmäßigen Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und auf Sachanlagen. Abschreibungen auf Finanzanlagen hingegen sind unter einem eigenen Posten (Nr. 12) auszuweisen.

Bei den Wertminderungen des Umlaufvermögens sind unter Nr. 7 b) nur diejenigen auszuweisen, die das unternehmensübliche Maß überschreiten, während die „üblichen“ Wertminderungen auf Vorräte unter dem Posten Nr. 2 „Bestandsveränderungen“ (sofern es sich um unfertige oder fertige Erzeugnisse handelt) oder unter dem Posten 5 a) „Materialaufwand“ (sofern Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe oder Handelswaren betroffen sind) ausgewiesen werden. Unternehmensübliche Abschreibungen auf andere Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens (z.B. Forderungen) sind unter dem Posten Nr. 8 „sonstige betriebliche Aufwendungen“ bzw. unter Posten Nr. 12 „Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens“ auszuweisen.

Letztlich sind unternehmensunübliche Abschreibungen nicht definiert. Ein Abgrenzungskriterium wird in der Höhe des Abschreibungsbetrags (im Vergleich zu den Vorjahren) sowie in einer ungewöhnlichen Abschreibungsursache (z.B. Brand) gesehen.

Der Posten „sonstige betriebliche Aufwendungen“ stellt wiederum einen Sammelposten dar, der all diejenigen Aufwendungen aufnimmt, die im Rahmen der operativen Geschäftstätigkeit nicht unter Materialaufwand, Personalaufwand oder Abschreibungen fallen. Im Vergleich zu den sonstigen betrieblichen Erträgen ist der Posten sonstige betriebliche Aufwendungen regelmäßig sehr umfangreich: er beinhaltet z.B. Mieten, Pachten, Währungsverluste*, Reisekosten, Werbemaßnahmen, Gebühren, Telekommunikationskosten und Bewirtungskosten. Zudem sind darunter Verluste aus Verkäufen des Anlagevermögens, Zuführungen zu Einzel- und Pauschalwertberichtigungen sowie Verluste aus Wertminderungen oder dem Abgang von Gegenständen des Umlaufvermögens, sofern diese nicht zu den Vorräten gehören (z.B. Kassenschwund, Ausbuchung von Forderungen) zu erfassen.

Sind die Aufwendungen „außerordentlich“, hat der Ausweis unter dem entsprechenden separaten Posten „außerordentliche Aufwendungen“ wiederum Vorrang.

Unter den Posten Nr. 9 „Erträge aus Beteiligungen“ fallen laufende Erträge wie von Kapitalgesellschaften vereinnahmte Dividenden, Gewinnanteile von Personengesellschaften oder stillen Gesellschaften, aber auch Erträge aus Beherrschungsverträgen nach § 291 Abs. 1 AktG (sofern nicht eine Gewinn- oder Teilgewinnabführung beinhaltet ist; in diesem Fall geht der separate Ausweis unter Nr. 10 a) vor, vgl. Tabelle 1). Um die Verflechtungen innerhalb des Konzerns darzustellen, sind Beteiligungserträge von verbundenen Unternehmen separat als Davon-Vermerk auszuweisen.

Die Erfassung der Beteiligungserträge erfolgt in Höhe der Bruttobeträge (d.h. ohne Abzug von Kapitalertragsteuer), etwaige einbehaltene Kapitalertragsteuer ist unter Posten Nr. 18 als Ertragsteueraufwand zu erfassen.

Erträge, die nicht zu den laufenden Erträgen zählen, sondern z.B. aus dem Verkauf von Beteiligungen resultieren und damit einmalige (zumindest nicht regelmäßig wiederkehrende) Erträge darstellen, sind unter „sonstige betriebliche Erträge“ oder bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen unter „außerordentliche Erträge“ auszuweisen.

Der Posten Nr. 10 „Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens“ bezieht sich auf Erträge aus Finanzanlagen*, die nicht Beteiligungen darstellen. Dazu zählen Zinserträge sowie Dividenden.

In der Regel weist man hier auch die aus Gewinn- oder Teilgewinnabführungsvereinbarungen oder Verlustübernahmeverträgen resultierenden Erträge gesondert gemäß § 277 Abs. 3 Satz 2 HGB aus, vgl. Posten Nr. 10 a) und 10 b) in Tabelle 1.

Etwaige Aufzinsungen langfristiger (z.B. an Mitarbeiter gewährter unverzinslicher) Ausleihungen sind aufgrund der neuen, durch das BilMoG eingeführten Vorschrift des § 277 Abs. 5 HGB unter dem Posten Nr. 11 „Zinsen und ähnliche Erträge“ auszuweisen. Zinseffekte sollen durch diese Vorschrift generell außerhalb des operativen Ergebnisses im Finanzergebnis dargestellt werden.

Der Posten „sonstige Zinsen und ähnliche Erträge“ fängt die Erträge auf, die nicht unter Nr. 9 oder Nr. 10 vorrangig auszuweisen sind. Dazu gehören Zinsgutschriften für Bankguthaben, Zinserträge aus anderen gewährten Darlehen sowie Zinsen und Dividenden auf Wertpapiere des Umlaufvermögens. Die Erfassung der Zinsen erfolgt in Höhe der Bruttobeträge, etwaige einbehaltene Kapitalertragsteuer ist unter Posten Nr. 18 zu verbuchen.

Der Posten Nr. 12 beinhaltet alle den Finanzbereich betreffenden Abschreibungen, unabhängig davon, ob es sich um Anlagevermögen (Anteile an verbundenen Unternehmen, Ausleihungen an verbundene Unternehmen oder Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, Beteiligungen, Wertpapiere des Anlagevermögens und sonstige Ausleihungen) oder Umlaufvermögen (Wertpapiere des Umlaufvermögens) handelt.

Der Posten „Zinsen und ähnliche Aufwendungen“ umfasst zum einen Zinsen z.B. für in Anspruch genommene Darlehen, und zwar unabhängig davon, ob es sich um übliche Zinsen oder um Straf- bzw. Verzugszinsen handelt. Zu den ähnlichen Aufwendungen zählen Diskontbeträge für Wechsel, Kredit- und Bürgschaftsprovisionen sowie Bereitstellungsgebühren. Auch die planmäßigen jährlichen Abschreibungen auf ein in Ausübung des Aktivierungswahlrechts des § 250 Abs. 3 HGB aktiviertes Disagio fallen unter diesen Posten. Der in den jährlichen Zuführungen zu einer Pensionsrückstellung enthaltene Zinsanteil fällt ebenso darunter, wie der Aufzinsungsaufwand für nach § 253 Abs. 2 Satz 1 HGB zu diskontierende Rückstellungen mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr. Aufwendungen aus der Abzinsung sind gesondert unter dem Posten Nr. 13 auszuweisen (§ 277 Abs. 5 Satz 1 HGB).

Hingegen fallen die für den Zahlungsverkehr anfallenden Aufwendungen (Kontoführungsgebühren etc.) sowie z.B. Kreditvermittlungsprovisionen unter die sonstigen betrieblichen Aufwendungen (Posten Nr. 8).

Außerordentlichen Erträgen und Aufwendungen liegt derselbe Grundgedanke zugrunde: es sollen die positiven und negativen Beiträge zum Unternehmenserfolg separat erfasst werden, die außerhalb der gewöhnlichen (wiederkehrenden) Geschäftstätigkeit des jeweiligen Unternehmens liegen.

Als außerordentlich werden dabei Ergebnisbeiträge betrachtet, die ungewöhnlicher Natur sind und unregelmäßig bzw. selten anfallen.

Bei der Einordnung, ob ein Ereignis oder eine geschäftliche Transaktion außerordentlich ist, sind das Unternehmen sowie seine Branche in die Betrachtung einzubeziehen. So kann der Verkauf einer größeren, wesentlichen Beteiligung bzw. der daraus resultierende Gewinn bei einem Unternehmen, das damit seine einzige Beteiligung veräußert, als außerordentlich einzustufen sein, während derselbe Vorgang bei einem Unternehmen, das im Rahmen einer Portfoliopolitik zahlreiche Beteiligung erwirbt, hält und wieder veräußert, zu den gewöhnlichen Einkünften zählt.

Auch periodenfremde Erfolgskomponenten (z.B. eine Steuernachzahlung für Vorjahre oder nicht durch Rückstellungen gedeckte Garantiekosten) sind hierunter nur auszuweisen, wenn sie außerordentlich in dem o.g. Sinne sind. Periodenfremde Aufwendungen und Erträge sind bei Wesentlichkeit im Anhang zu erläutern (§ 277 Abs. 4 Satz 3 i.V.m. Satz 2 HGB).

Unter außerordentlichen Erträgen versteht man Erträge, die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft im Sinne des § 277 Abs. 1 Satz 1 HGB anfallen. Außerordentliche Erträge sind nach § 277 Abs. 4 Satz 2 HGB hinsichtlich ihres Betrags und ihrer Art im Anhang zu erläutern, sofern sie für die Beurteilung der Ertragslage nicht unwesentlich sind.

Die Erläuterungspflicht erstreckt sich auch auf sogenannte periodenfremde Erträge (und Aufwendungen), d.h., Erträge (bzw. Aufwendungen), die einem anderen Geschäftsjahr zuzuordnen sind (z.B. Schadenersatzleistung aus einem seit Jahren andauernden Rechtsstreit oder eine Steuererstattung für vergangene Geschäftsjahre aus einer Betriebsprüfung).

Zu den außerordentlichen Erträgen zählen insbesondere auch Verkäufe von lange gehaltenen Grundstücken, bei denen in Höhe der Differenz zwischen dem Verkaufspreis (Marktwert) und dem aufgrund des Anschaffungskostenprinzips oftmals wesentlich niedrigeren Buchwert, im Verkaufszeitpunkt wesentliche stille Reserven des Unternehmens einmalig „gehoben“ werden. Dies gilt analog u.U. auch für die Durchführung bedeutsamer Sale-and-lease-back-Transaktionen.

Zu den außerordentlichen Aufwendungen zählen z.B. Verluste aus Verkäufen des Anlagevermögens, wenn nicht nur einzelne Maschinen veräußert sondern z.B. Teile einer Produktion niedergelegt werden. Auch die Höhe der außergewöhnlichen Erfolgsbeiträge spielt eine Rolle. Geringe außergewöhnliche Beträge erfordern in der Regel keinen separaten Ausweis.

Im Jahr der Umstellung auf das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz resultieren außerordentliche Aufwendungen und Erträge aus der erstmaligen Anwendung des BilMoG (Art. 68 Abs. 7 EGHGB).

Posten Nr. 17 bildet als „außerordentliches Ergebnis“ den Saldo aus den außerordentlichen Erträgen und den außerordentlichen Aufwendungen.

Der Posten „Steuern vom Einkommen und vom Ertrag“ enthält (sofern die Steuertatbestandsmerkmale der verschiedenen Steuerarten zum Tragen kommen) die Gewerbeertragsteuer, bei Kapitalgesellschaften die Körperschaftsteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag) und bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften die Einkommensteuer* (zzgl. Solidaritätszuschlag). Auch latente Steueraufwendungen und -erträge, die sich aus der Veränderung aktivierter oder passivierter latenter Steuern ergeben, sind darunter zu erfassen (§ 274 Abs. 2 Satz 3 HGB).

Die sonstigen Steuern umfassen die verbleibenden Steuern, die sich nicht nach dem Einkommen oder Ertrag berechnen, z.B. Kfz-Steuer, Grundsteuer oder Versicherungssteuer.

Umsatzkostenverfahren

Das Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) stellt den im Geschäftsjahr im operativen Bereich erzielten Umsatzerlösen ausschließlich die Aufwendungen gegenüber, die für die abgesetzten Produkte oder Dienstleistungen angefallen sind. Der Ausweis der Aufwendungen erfolgt dabei nicht nach den Aufwandsarten sondern nach den Entstehungs- bzw. Funktionsbereichen: Herstellungskosten des Umsatzes (sachliche Abgrenzung) sowie Vertriebskosten, allgemeine Verwaltungskosten und sonstige betriebliche Aufwendungen (zeitliche Abgrenzung).

Voraussetzung für die Anwendung des Umsatzkostenverfahrens ist eine adäquate Kosten- und Leistungsrechnung, die die einzelnen Kostenarten über Kostenstellen den einzelnen Kostenbereichen (z.B. Verwaltung, Vertrieb) zuordnet.

Als Vorteil des Umsatzkostenverfahrens gilt, dass zum einen aus der Differenz zwischen den Umsatzerlösen und den Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen, dem sogenannten „Bruttoergebnis vom Umsatz“ die „Marge“ bzw. eine Margenveränderung des Unternehmens ersichtlich wird. Zum anderen zeigt das Umsatzkostenverfahren, in welchen Unternehmensbereichen (Produktion, Verwaltung, Vertrieb) die Kosten bzw. Aufwendungen anfallen.

Im Folgenden sollen nur die vom Gesamtkostenverfahren abweichenden bzw. spezifischen Regelungen für das Umsatzkostenverfahren behandelt werden.

1.

Umsatzerlöse

2.

Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen

3.

Bruttoergebnis vom Umsatz

4.

Vertriebskosten

5.

allgemeine Verwaltungskosten

6.

sonstige betriebliche Erträge

7.

sonstige betriebliche Aufwendungen

Betriebsergebnis (EBIT)


Tabelle 2: Gliederungsposten nach dem Umsatzkostenverfahren*:

Die auch als Umsatzkosten bezeichneten „Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen“ beinhalten neben den Aufwendungen des laufenden Geschäftsjahres zur Herstellung der Produkte bzw. Dienstleistungen auch den Vorratsverbrauch, d.h. die Entnahme bzw. den Lagerabbau von in Vorjahren hergestellten fertigen und unfertigen Erzeugnissen.

Der Posten „Vertriebskosten“ beinhaltet die Aufwandsarten Personal, Material, Abschreibungen und sonstige betriebliche Aufwendungen, soweit diese im Vertriebsbereich sowie im Marketing angefallen sind.

Als „Allgemeine Verwaltungskosten“ werden die Aufwendungen bezeichnet, die nicht dem Herstellungs- oder Vertriebsbereich zuzurechnen sind, z.B. die Abteilungen Controlling, Finanzbuchhaltung und Recht.

Der Posten „aktivierte Eigenleistungen“, der beim Gesamtkostenverfahren die Erhöhung des betrieblichen Vermögens durch selbsterstellte Anlagen widerspiegelt, fehlt beim Umsatzkostenverfahren. In der Praxis werden bei Vorliegen des Sachverhalts entweder in Höhe der „aktivierten Eigenleistungen“ die beanspruchten Aufwandskonten entlastet oder sonstige betriebliche Erträge verbucht und die Aufwandskonten entsprechend belassen.

Der Posten „sonstige betriebliche Aufwendungen“ des UKV weicht trotz identischer Bezeichnung regelmäßig wesentlich von dem Inhalt des gleichnamigen Postens bei Anwendung des GKV ab. Der Posten ist im UKV wesentlich weniger umfangreich, da ein Großteil der bei Anwendung des GKV dort ausgewiesenen Aufwendungen (z.B. Miete) im Umsatzkostenverfahren auf die Funktionsbereiche Herstellung, Vertrieb und Verwaltung verteilt wird.

Die weiteren Posten der Gewinn- und Verlustrechnung gemäß § 275 Abs. 3 Nr. 8 bis 19 HGB stimmen inhaltlich in der Regel mit den nach dem Gesamtkostenverfahren auszuweisenden Posten überein, so dass an dieser Stelle auf die Ausführungen zum Gesamtkostenverfahren verwiesen wird. Dies gilt auch für die gesondert auszuweisenden bzw. anzugebenden Posten und Beträge.

Wird das Umsatzkostenverfahren angewendet, ist nach § 285 Nr. 8 a) und b) HGB der Materialaufwand des Geschäftsjahrs, gegliedert nach § 275 Abs. 2 Nr. 5 HGB sowie der Personalaufwand des Geschäftsjahrs, gegliedert nach § 275 Abs. 2 Nr. 6 HGB – d.h., analog der Aufgliederung im Gesamtkostenverfahren – im Anhang anzugeben.

Analysemöglichkeiten im Rahmen des Controllings

Im Folgenden sollen die wesentlichen Analysemöglichkeiten, die sich aus der Gewinn- und Verlustrechnung – bei manchen wie bei der Eigenkapital- oder Gesamtkapitalrentabilität in Zusammenspiel mit der Bilanz – ergeben, erläutert werden.

Zwischensummen der GuV

Bei den nachfolgenden Zwischensummen handelt es sich teilweise um solche, die wie das Bruttoergebnis vom Umsatz beim Umsatzkostenverfahren explizit im Gesetz vorgesehen sind, teilweise aber auch wie beim EBITDA* durch Rechenoperationen separat ermittelt werden müssen.

Das „Bruttoergebnis vom Umsatz“ (Posten Nr. 3 der GuV nach dem UKV) als Differenz aus den Umsatzerlösen und den Umsatzkosten spiegelt die unternehmensweite Bruttomarge bzw. den Deckungsbeitrag wider, allerdings nur in einer Gesamtbetrachtung über alle Geschäftsbereiche bzw. Produktgruppen. Für eine genauere Analyse der Deckungsbeiträge hinsichtlich der Sparten, Produktgruppen oder Produkte muss auf die interne Kostenrechnung zurückgegriffen werden.

Die Summe der ersten drei GuV-Posten nach dem GKV bezeichnet man als Gesamtleistung des Unternehmens, die von Unternehmen teilweise „freiwillig“ mit angegeben wird. Die Aussagekraft dieser Kennzahl ist allerdings begrenzt, da sie zum einen „echte Markterfolge“ (Produktverkäufe) und den ggf. kritischen Aufbau von Vorratsbeständen aufaddiert, und zum anderen durch die Ausübung von Ansatz- und Bewertungswahlrechten (z.B. das Aktivierungswahlrecht des § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB) signifikant beeinflusst wird.

Kleine und mittelgroße Kapitalgesellschaften im Sinne des § 267 Abs. 1 und 2 HGB dürfen (im Falle der Anwendung des GKV) die Posten § 275 Abs. 2 Nr. 1 bis 5 oder (im Falle der Anwendung des UKV) die Posten Nr. 1 bis 3 und 6 zu einem Posten unter der Bezeichnung „Rohergebnis“ zusammenfassen (§ 276 Satz 1 HGB). Die identische Bezeichnung sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Rohergebnis in beiden Verfahren nicht identisch und somit auch für Vergleiche von Unternehmen mit unterschiedlicher GuV-Methode nicht geeignet ist.

Das auch als EBIT* oder operatives Ergebnis bezeichnete Betriebsergebnis spiegelt den wirtschaftlichen Erfolg im operativen Geschäft, d.h. in der „eigentlichen“ Unternehmenstätigkeit wider. Indem die weiteren Ergebnisbeiträge – Finanzergebnis, außerordentliches Ergebnis und Ertragssteuern – ignoriert werden, wird zum einen das Kerngeschäft isoliert und zum anderen wird die Vergleichbarkeit zu Unternehmen mit anderer Finanzierungsstruktur (z.B. stärkerer Verschuldung) und anderen steuerlichen Gegebenheiten (z.B. in anderen Ländern) hergestellt.

Das EBITDA geht gegenüber dem EBIT noch einen Schritt weiter: es lässt auch die Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen außer Betracht, da diese oftmals ebenfalls länderspezifisch (z.B. durch die Orientierung an amtlichen AfA-Tabellen oder die unterschiedliche Behandlung der Abschreibung von Firmenwerten*) bzw. steuerpolitisch (Zielsetzung höchstmöglicher Abschreibungen, Wahl entsprechender Abschreibungsmethoden (z.B. degressiv) bzw. kurzer Nutzungsdauern) beeinflusst sind. Das EBITDA lässt sich berechnen, indem zum Betriebsergebnis (EBIT) die genannten Abschreibungen hinzuaddiert werden.

Das Finanzergebnis* wird in den Gliederungsschemata der Gewinn- und Verlustrechnung nicht explizit als Zwischensumme ausgewiesen. Es kann für Analysezwecke als Saldo der Posten Nr. 9 bis Nr. 13 (GKV) bzw. Nr. 8 bis Nr. 12 (UKV) ermittelt werden. Das Finanzergebnis spiegelt die Erträge und Aufwendungen aus der Anlage finanzieller Mittel (z.B. auf Festgeldkonten) bzw. der Aufnahme von Fremdkapital (z.B. Bankdarlehen, Anleihe) wider. Das Finanzergebnis ist bei den meisten Unternehmen negativ (da diese i.d.R. zu einem hohen Anteil mit Fremdkapital finanziert sind), ein negatives Finanzergebnis ist deshalb nicht per se kritisch zu betrachten.

Interessant ist hier vielmehr ein Vergleich mit dem operativen Ergebnis (Betriebsergebnis), aus dem das negative Finanzergebnis gespeist („bezahlt“) werden muss: gleicht das (mit der Konjunktur und Unternehmensentwicklung) schwankende operative Ergebnis das (oftmals aufgrund fixer Zinsen stetige) Finanzergebnis nur knapp aus, kann es in Krisenzeiten zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten für das Unternehmen führen, insbesondere in Bezug auf die Liquidität, da ja nicht nur die Zinsen bezahlt, sondern auch Tilgungen auf das Fremdkapital geleistet werden müssen. Diese Beträge müssen letztlich über das operative Geschäft erwirtschaftet werden.

Der Posten Nr. 14 (GKV) bzw. Nr. 13 (UKV) „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit“ spiegelt den nach handelsrechtlichen Maßstäben ermittelten Erfolg aus der gewöhnlichen, üblichen Geschäftstätigkeit wider. Das Finanzergebnis wird als „gewöhnlicher“ Bestandteil der Geschäftstätigkeit betrachtet, insbesondere vor dem Hintergrund, dass nahezu jedes Unternehmen Fremdkapital aufweist, für das Vergütungen in Form von u.a. Zinsen geleistet werden müssen.

Im Anhang ist zu erläutern, in welchem Umfang Steuern vom Einkommen und Ertrag das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (und das außerordentliche Ergebnis) belasten (§ 285 Nr. 6 HGB). Dem Abschlussadressaten wird somit die Möglichkeit eingeräumt, ein „Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit nach Steuern“ zu berechnen.

Analog der Argumentation für das EBIT werden beim Jahresergebnis vor Steuern (EBT) die Steuern vom Einkommen und Ertrag (v.a. Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer) nicht mit in die Betrachtung einbezogen, um Steuerauswirkungen auf das Ergebnis aus unterschiedlichen Steuersystemen in unterschiedlichen Ländern oder auch aus unterschiedlichen Rechtsformen resultierend zu eliminieren. Die Größe kann aus der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt werden, indem zum Jahresüberschuss die Steuern vom Einkommen und Ertrag wieder hinzuaddiert werden.

Der Jahresüberschuss bzw. Gewinn stellt den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens dar, der letztlich den Eigentümern zusteht und diesen entweder direkt zugerechnet wird (bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften) oder in Form von Ausschüttungen bzw. Dividenden zufließen kann.

Rentabilitäten

Die Umsatzrentabilität ist eine der am weitest verbreiteten Kennzahlen, die die Effizienz eines Unternehmens bzw. deren Fortschritte messen soll. Dazu wird der Gewinn (Jahresüberschuss nach Steuern) ins Verhältnis zu den Umsatzerlösen gesetzt. Da der Gewinn dem Umsatz abzüglich aller „Kosten“ entspricht, ist die Umsatzrentabilität ein Indiz für die Effizienz eines Unternehmens.

Eine hohe Umsatzrentabilität ist ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen hohe („Premium-“) Preise verlangen kann oder zu günstigen Konditionen seine Leistungen erstellt bzw. produziert. Unternehmen sind insbesondere an der Entwicklung bzw. der Verbesserung der Umsatzrendite interessiert, während die absolute Größe von Branche zu Branche sehr unterschiedlich ist.

Da die Umsatzrendite in ihrer Ursprungsform den Gewinn im Zähler verwendet, vereinigt sie Effekte aus allen Ergebnisbereichen. So könnte die Umsatzrendite von einem Jahr auf das andere dadurch gestiegen sein, dass außerordentliche Erträge erzielt wurden, das Finanzergebnis sich aufgrund hoher Zinserträge erhöht hat oder aufgrund einer Betriebsprüfung eine Steuerrückstellung aufgelöst werden konnte. All dies ist sicherlich vorteilhaft für das Unternehmen, spiegelt aber keine Effizienzverbesserung im Kerngeschäft wider. Aus diesen Gründen werden oftmals adaptierte Kennzahlen wie die EBIT-Marge verwendet, die diese Effekte eliminieren und damit auch wieder die Vergleichbarkeit mit anderen Unternehmen herstellen.

Die EBIT-Marge ist eine Art Umsatzrentabilität, bei der statt des Jahresüberschusses nach Steuern das EBIT (Betriebsergebnis) ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt wird. Dadurch werden die beim EBIT beschriebenen Ergebniseinflüsse eliminiert, so dass „echte“ Verbesserungen der Umsatzrendite herausgefiltert werden.

Setzt man den erzielten Gewinn ins Verhältnis zum Eigenkapital, erhält man die Verzinsung des Eigenkapitals, die aufgrund des mit der Eigentümerposition verbundenen Risikos über der Verzinsung anderer sichererer Anlagen wie Festgeld, Anleihen oder Immobilien liegen sollte. Die Höhe der (z.B. seitens der Aktionäre bzw. Investoren geforderten) Eigenkapitalrendite ist vom Risiko des Unternehmens abhängig: so weisen start-ups in neuen Branchen bzw. Technologiefeldern ein höheres Risiko auf als z.B. ein etablierter Automobilhersteller.

Ein wichtiges Maß für einen effizienten Einsatz des eingesetzten Kapitals – unabhängig davon, ob das Kapital von den Eigentümern oder Fremdkapitalgebern zur Verfügung gestellt wird – ist die Gesamtkapitalrendite. Sie setzt die Vergütungen, die Eigentümer (Gewinn) und Fremdkapitalgeber (Zinsen) zusammen erhalten, ins Verhältnis zum gesamten Kapital bzw. zur Bilanzsumme.

Aufwandsintensitäten

Die Personalaufwandsquote setzt den Personalaufwand ins Verhältnis zu den Umsatzerlösen oder teilweise auch zu der Gesamtleistung. Ein Vergleich ist wie bei vielen Kennzahlen innerhalb der Branche sinnvoll; so haben Industrieunternehmen, die zusätzlich noch Material für ihre Leistungserstellung benötigen, naturgemäß eine geringere Personalaufwandsquote als Dienstleistungsunternehmen (zu denen auch die meisten gemeinnützigen Organisationen gehören).

Die Personalaufwandsquote lässt Rückschlüsse zu über die Fixkostenbelastung und damit die finanzielle Flexibilität eines Unternehmens in schlechteren, durch Umsatzeinbrüche gekennzeichneten Zeiten, da dieser Kostenblock nicht kurzfristig abgebaut werden kann.

Die Materialaufwandsquote setzt analog der Personalaufwandsquote den (in der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem GKV ausgewiesenen) Materialaufwand ins Verhältnis zum Umsatz.

Auch hier ist wiederum branchenspezifisch zu unterscheiden: die in % ausgedrückte Materialaufwandsquote ist in der Regel bei Handelsunternehmen am höchsten, dann folgen Industrieunternehmen sowie Dienstleistungsunternehmen mit der geringsten Materialaufwandsquote.

Stand: 07/2012
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
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