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Fundraising praktisch – Diese Instrumente sollten Sie testen!

„Es war für uns eine große Hilfe, dass Sie in Ihrer Diplomarbeit für unsere Einrichtung eine Fundraising-Strategie erarbeitet haben. Doch wie setzen wir das jetzt alles um?“ Leider muss der „frisch gebackene“ Diplomand bedauernd mit den Schultern zucken. Doch er hätte nun die Chance, die erarbeitete Strategie umzusetzen.

Beachten Sie folgende Grundregel:

Testen, testen, testen! Bevor Sie z.B. ein Mailing in sehr hoher Auflage mit entsprechend hohen Kosten versenden, sollten Sie mit einer kleinen Auflage (mindestens 500 Stück) vorab testen, ob ein Mailing auch erfolgreich sein kann. Ist ein Fundraising-Instrument erfolgreich, können Sie danach in den sog. Full-Run gehen.

Es gibt verschiedene Instrumente und Methoden, eine/n (potenziellen) Spender/in anzusprechen. Nicht für jede Organisation ist jede Methode geeignet. Hinzu kommt, dass manche Methoden über gute finanzielle Voraussetzungen verfügen müssen, damit sie erfolgreich sein können.

Wir stellen Ihnen nun Fundraising-Instrumente vor, die für alle Spendenarten geeignet sind. Vergegenwärtigen Sie sich zuvor, dass es nicht nur um Geldspenden geht. Die folgende Grafik fasst die verschiedenen Spendenarten kurz zusammen.

Im Folgenden erläutern wir Ihnen, welche Fundraising-Instrumente Sie unbedingt testen sollten. Bedenken Sie, dass es sich hierbei nur um eine kleine Auswahl handelt.

Der Klassiker: Das Spenden-Mailing

Das Mailing ist das meistgenutzte Fundraising-Instrument. Jedes Jahr werden Mailings an Millionen von Menschen in Deutschland versandt. Laut Deutschem Spendenrat und der Gesellschaft für Konsumforschung/Nürnberg (GfK) war im Jahr 2011 für 28,4 Prozent der Spender ein Mailing der Auslöser für eine Spende. Der Versand geschieht über das ganze Jahr. Es gibt allerdings saisonale Unterschiede, besonders im Spendenbereich. Die saisonalen Schwerpunkte finden Sie in der folgenden Übersicht.

Übersicht: Hauptsaisons von Spendenmailings

Saison

Versandtermine

Weihnachten

01. November – 01. Dezember

Herbst

01. September – 15. Oktober

Ostern

01. März – 01. April

Januar (Versand der Zuwendungsbestätigungen)

20. Dezember – 15. Januar


Praxistipp: Richten Sie sich wenigstens zu Anfang beim Versand Ihres Spendenmailings nach den saisonalen Schwerpunkten. Antizyklische Strategien werden zwar immer wieder empfohlen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Erfolgschancen zu den Hauptsaisons immer noch am höchsten sind. Dies ist vor allem wichtig, wenn Sie Tests durchführen wollen.

Elemente des Spenden-Mailings

Ein Spenden-Mailing besteht aus verschiedenen Elementen. Wir stellen Ihnen im Folgenden einige der bewährten Standardelemente vor und erläutern sie. Natürlich können Sie Ihr Mailing besonders individuell zu gestalten. Hierbei sollten Sie aber bedenken, dass Aufwand und Ertrag in einem positiven Verhältnis stehen.

Grundsätzlich besteht ein „klassisches Spendenmailing“ aus:

  1. Anschreiben, um den Spender persönlich anzusprechen

  2. Beileger, um über das Spendenprojekt oder den Spendenzweck zu informieren

  3. Zahlschein

  4. Rückantwortmöglichkeit (z.B. Lastschriftverfahren für eine Dauerspende)

  5. „Give-aways“ (Adressaufkleber, Postkarte etc.), um die Ansprache zu verstärken.

Die Elemente 1-3 sind „Pflichtprogramm“ und müssen jedem Spendenmailing beiliegen. Die Elemente 4-5 hingegen wählen Sie nach Bedarf aus. Überlegen Sie jeweils auch, welche Elemente zu Ihren Spendern und zum Thema passen.

Die Adressen: Vollständige, aktuelle und abgeglichene Spenderdaten

Grundvoraussetzung für Ihre Mailingaktion sind vollständige und aktuelle Adressdaten der Spender. Für einen Spendenbrief benötigen Sie in jedem Fall

  • Name, Vorname

  • Titel

  • Straße

  • Postleitzahl

  • Ort

  • Anrede(n)

  • Spendernummer

  • Evtl. Buchungsnummer (z.B. bei unterschiedlichen Spendenkonten).

Im Rahmen der Aktualisierung Ihrer Spenderdaten sollten Sie darauf achten, dass

  • Änderungen der Adressen bei Umzügen,

  • Sperrungen der Adresse bei Verstorbenen (soweit bekannt)

eingearbeitet sind.

Beachten Sie den Datenschutz!

Auch in Ihrer Einrichtung oder Organisation gibt es einen Datenschutzbeauftragten. Klären Sie mit ihm evtl. relevante Datenschutzfragen. Eine aktuelle Version des aktuellen Bundesdatenschutzgesetzes finden Sie im Internet unter www.gesetze-im-internet.de.

Kernelement: Das Anschreiben

Sie sollten sich bewusst sein: kaum eine Leserin oder ein Leser liest Ihren Spendenbrief von Anfang bis zum Ende durch. Insofern empfehlen wir Ihnen, sich beim Aufbau eines Spendenbriefes am sog. „durchschnittlichen Leseverhalten“ Ihrer Spender zu orientieren. Auf den ersten Blick sollte ein Spendenbrief folgende Fragen der Leserin oder des Lesers beantworten:

Beantworten Sie dem Leser folgende Fragen!

  1. Wer schreibt mir?

  2. Was will der Absender des Briefes von mir?

  3. Was bringt mir das Lesen des Briefes?

  4. Wer hat unterschrieben?

  5. Woher kennt der Absender mich oder meine Adresse?

Viele Erfahrungen zeigen, wie ein Brief gelesen wird. So fällt der Blick

  1. auf ein Bild,

  2. auf die Überschrift,

  3. auf die Adresse

  4. auf die Anrede,

  5. auf Hervorhebungen im Text,

  6. auf die Unterschrift,

  7. auf das P.S.

Es ist also wichtig, dass Sie an bestimmten Stellen optische Leseanreize setzen, die zum Weiterlesen motivieren. Orientieren Sie sich am klassischen Blickverlauf des Lesers. „Experimente“ sind hier nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Schon Kleinigkeiten können den Leser „ins optische Aus“ führen.

Das renommierte Siegfried-Vögele-Institut/Königstein/Ts. hat mit der „Augenkamera“ einen sehr wichtigen Beitrag zum Blickverlauf von Mailings geleistet. Demnach „steigt“ im Allgemeinen der Leser mit dem Auge links oben in den Brief „ein“. Er nimmt den Briefkopf sowie das Bild des Verfassers wahr. Danach wandert der Blick zur Adresse. Besonders wichtig sind weiterhin die Überschrift sowie die persönliche Anrede. Dann nimmt das Auge die Unterschrift des Briefverfassers und das P.S. (Popstscriptum) am unteren Ende des Briefes wahr. Schließlich „steigt“ der Leser rechts unten aus dem Brief wieder „aus“.

Beispiel: Spendenbrief „Upgrading“ an bestehende Spender

Spenden-Mailings: Was bringt's?

Erfahrungsgemäß lohnen sich Spenden-Mailings, die Sie an Ihre eigenen Spender schicken. Anders ist dies, wenn Sie mit angemieteten Fremdadressen arbeiten, um neue Spender zu gewinnen. Hier handelt es sich um eine Investition in die Zukunft. Im Folgenden haben wir Ihnen eine Beispielrechnung abschließend angefügt.

Beispielrechnung: Mailing mit eigenen SpenderadressenMailing bestehend aus: Brief, Hülle, Infoblatt, Adressaufkleber, Zahlschein

Aufl.: 2.000 Stück

Konzeption/Text: Agentur
Adressaktualisierung/Aufarbeitung/Lieferung an Dienstleister: Eigenarbeit

Druck: Druckerei

  • Brief mit Zahlscheinanhang, Endlosformular, 4-farbig, gelasert, 90 g/m2

  • Infoblatt, A4, Wickelfalz auf DIN lang, 4-farbig, 70g/m2

  • Adressaufkleber, 4-farbig, gummiert, gestanzt

  • Hülle, Din lang mit Fenster, 2-farbig mit Aufdruck

Verarbeitung: Druckerei
Endlos verarbeiten, Formulare schneiden und falzen auf DIN lang, Kuvertieren

Auslieferung durch Druckerei zum Versand als Infopost Standard

Preis pro Stück: 1,63 €

Portokosten: 0,25 € pro Stück plus Mwst.

Gesamtkosten: (2.000 x 1,23 €) + (2.000 x 0,25 € + 19 % Mwst.) = 3.855 EUR

Reaktionsquote 8 %: Spendeneingang (Durchschnittsspende 50 Euro): 8.000 Euro

Der direkte Kontakt: Standwerbung

Auch im Fundraising gilt die alte Verkäuferregel: „Das persönliche Gespräch ist immer noch am erfolgreichsten.“ Zwar kommt nicht für jede Einrichtung oder Organisation das Tür-zur-Tür-Fundraising infrage, aber eine sog. „Standwerbung“ kann jeder umsetzen.

Am Stand können Sie um eine Spende, um neue Mitglieder oder für ehrenamtliches Engagement werben. Die besondere Chance besteht darin, dass Sie im Gespräch alle Fragen klären, die ein Interessent wirklich hat. Außerdem können Sie Irrtümer aufklären und erhalten evtl. sogar neue Anregungen.

In 5 Schritten zur Standwerbung

  1. Zielgruppen festlegen

    Gerade bei einem Infostand sind die Zielgruppen festzulegen, die Sie ansprechen möchten. Dies hängt maßgeblich davon ab, für was Sie werben wollen. Soll für eine Fördermitgliedschaft geworben werden, sind andere Menschen anzusprechen als bei der Werbung um ehrenamtliches Engagement. So können Sie sich bei der Werbung um neue Fördermitglieder auf Menschen ab 60 Jahre konzentrieren, während bei Werbung um ehrenamtliches Engagement jüngere Menschen zwischen 15 und 20 Jahren interessant sein könnten.

  2. Genehmigungen einholen!

    Bevor Sie einen Stand auf einem öffentlichen Platz aufbauen können, müssen Sie sich eine Standgenehmigung bei der zuständigen Behörde (Stadt, Landkreis o. ä.) einholen. Informieren Sie sich rechtzeitig, welche Angaben die jeweilige Behörde für die Genehmigung benötigt. Planen Sie auch ausreichend „Bearbeitungszeit“ (manchmal bis zu acht Wochen) ein. In einigen Städten sind bestimmte Plätze überhaupt nicht mehr genehmigungsfähig, da den Behörden zu viele Anfragen vorliegen.

  3. Ressourcen planen

    „Wer macht’s?“ Das ist erfahrungsgemäß die schwierigste Frage, die Sie lösen müssen. Stellen Sie rechtzeitig ein Stand-Team zusammen, das für die gesamte Betreuung (Auf- und Abbau, Präsenz, Zeitplanung etc.) verantwortlich ist. Ein Mix aus Haupt- und Ehrenamtlichen ist in aller Regel am empfehlenswertesten.

    Praxistipp: Statten Sie jeden Mitarbeiter des Standteams mit einem Ausweis oder eine Bescheinigung aus, die nachweist, dass er befugt ist, im Namen Ihrer Einrichtung oder Ihrer Organisation werben zu dürfen.

  4. Den Stand gestalten

    Wichtig ist die Gestaltung des Standes. Denn sie trägt maßgeblich dazu bei, ob ein Stand auf die Menschen attraktiv wirkt oder eher abschreckend. Von allzu improvisierten Tapeziertischen mit zwei bunten Sonnenschirmen ist abzuraten. Investieren Sie in ein professionelles Standsystem. Solche Standsysteme können Sie mehrfach und universell einsetzen. Es handelt sich also um eine eher langfristige Investition.

    Was kostet das?
    Standsysteme können je nach individueller Anfertigung recht teuer sein. Mittlerweile gibt es aber preisgünstige Angebote für Straßenstände, die das Profil Ihrer Einrichtung oder Organisation gut und attraktiv darstellen. Sie können schon mit rd. 1.500 Euro eine Grundausstattung (Stehtisch mit Seitenwänden und Staufächern, Stellwand für Plakate, Sonnenschirm) erwerben. Lieferanten finden Sie im örtlichen Telefonbuch, im Branchenbuch unter dem Stichwort „Werbemittel“ oder im Internet.

  5. Informationsmaterial vorbereiten

    Wichtig sind schriftliche Informationen z.B. über die Arbeit Ihrer Einrichtung oder Organisation, die Sie in professioneller Form bereithalten sollten. Wenn Sie z.B. um neue Dauerspender werben, benötigen Sie in jedem Fall:

Beispiel: Unterlagen für die Akquise neuer Dauerspender

Kurzinformation über Ihre Einrichtung oder Organisation

Informationen über ein wichtiges, beispielhaftes Projekt

Beitrittsformular

Formulare für das Lastschriftverfahren

Den richtigen Zeitpunkt auswählen

Zu welchem Zeitpunkt sollten Sie idealerweise Ihre Standaktion durchführen? Erfahrene Stand-Fundraiser empfehlen, mehrere Male und vielleicht sogar an unterschiedlichen Orten präsent zu sein. Dies setzt allerdings eine höhere Zahl von Helfern und eine aufwendigere Organisation voraus.

Praxistipp: Ideale Tageszeiten sind Freitag (vor allem nachmittags), Samstag (mittlerweile den ganzen Tag) und wochentags zwischen 15.00 Uhr und 20.00 Uhr.

Den richtigen Ort auswählen

Für Ihren Info-Stand kommt grundsätzlich jeder Standort infrage, an dem viele Menschen am Tag vorbeigehen, unabhängig davon, ob dies im Zentrum des Ortes oder eher am Rande ist.

Beispiel: Orte für Info-Stände
  • Verkehrsberuhigte Zonen, z.B. vor einem Kaufhaus, vor der Sparkasse, vor einem Supermarkt

  • Plätze mit öffentlichen Gebäuden, z.B. Rathaus, Kirche, Bürgerbüro

  • öffentliche Versammlungsplätze, z.B. vor Dorfgemeinschaftshaus, zentraler Parkplatz

  • Eingangsbereiche in Einkaufszentren „auf der grünen Wiese“.

Standwerbung: Was bringt's?

Die Erfolgsraten geben erfahrenen Fundraisern recht: Reaktionsquoten zwischen zehn und 20 Prozent sind in der Akquise von neuen Spendern oder Fördermitgliedern keine Seltenheit. Kein Wunder, dass viele bundesweit arbeitende Organisationen in Deutschland dieses Fundraising-Instrument intensiv nutzen.

Die Fülle von Innovationen: Online-Fundraising

Online-Fundraising ist groß im Kommen – allerdings schon seit vielen Jahren. Viele Fakten sprechen dafür, dass es sich hier um ein erfolgversprechendes Instrument handelt. Denn beim sog. „medialen Verhalten“ nimmt bei vielen Menschen in Deutschland das Internet einen immer wichtiger werdenden Stellenwert ein. Dies bestätigen auch aktuelle Zahlen. Rund 135 Minuten surft jeder Deutsche mittlerweile täglich im Internet. 16 Prozent davon sind sog. „heavy user“, die zwischen fünf und zehn Stunden täglich online sind, so meldet die Plattform Internetworld (www.internetworld.de). Außerdem sind immer weniger Menschen ausschließlich nur zu Hause im Internet. Zum Beispiel mit einem Smartphone oder einem sog. „Tablet-PC“ können Sie überall im Netz sein. Der Anteil der Smartphone-Besitzer liegt in Deutschland bei mittlerweile 23 Prozent, Tendenz rasant steigend, so meldet eine der weltweit größten Internet-Dienstleister Comscore (www.comscore.com).

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige Kerninstrumente des Online-Fundraisings vor, um Ihnen einen ersten Überblick zu geben. Diese Auswahl ist keinesfalls vollständig, da immer wieder neue Ideen auf den Markt kommen. Um auf dem Laufenden zu bleiben, empfehlen sich Webseiten wie z.B. www.online-fundraising.org oder www.fundraisingverband.de. Auch auf Facebook werden Informationen zu diesem Thema angeboten.

Praxis-Tipp: Beachten Sie, dass eine professionell gestaltete und zuverlässig funktionierende Webseite die grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreiches Online-Fundraising ist.

Online-Fundraising-Instrument: Online-Spende

Basis einer Online-Spende kann eine Einzelspende, eine Dauerspende oder der Abschluss einer Fördermitgliedschaft sein. Sie sollten Ihrem Spender verschiedene „Zahlungsmöglichkeiten“ anbieten, wie die folgende Übersicht zeigt.

Übersicht: Online-Zahlungsmöglichkeiten:
  1. Lastschriftverfahren (Einzugsermächtigung)

  2. Kreditkarte (Mastercard, VISA, Maestro)

  3. Kontoangaben, die den User veranlassen, „konventionell“ zu spenden

  4. E-Cash, Micropayment-Systeme (z.B. Paypal)

Praxis-Tipp: Machen Sie es Ihrem neuen Online-Spender leicht. In möglichst wenigen Schritten sollte er eine Online-Spende tätigen können. Als ideal gilt nach wie vor: „Mit drei Klicks helfen!“ Dies bedeutet z.B. mit Klick eins die Adressangaben eingeben, mit Klick zwei die Zahlungsdaten eingeben und mit Klick drei die Angaben prüfen und bestätigen.

Abbildung: Auf der Seite des Kinderhilfswerk Unicef/Bonn www.unicef.de findet der Spender auch konkrete Projektinformationen

Online-Spender sind sehr stark auf Ihre Sicherheit bedacht. Insofern ist eine Verschlüsselung ein absolutes Muss. Die gängigste Verschlüsselungstechnologie ist SSL (Security-Socket-Layer). SSL ist ein Verschlüsselungsprotokoll, das den Kommunikationskanal sichert und die Identifikation des Servers ermöglicht. Nach wie vor gilt diese Technologie als eine der sichersten, die momentan verfügbar sind.

Auf ein spezielles Spendenprojekt oder auf die Spendenmöglichkeit allgemein können Sie auf Ihrer eigenen Webseite z.B. durch ein sog. „Widget“ aufmerksam machen. Dieses kleine „Feld“ weist optisch besonders ansprechend auf eine Online-Spendenmöglichkeit hin. Fundraising-Spezialist Florian Noell/Berlin weist darauf hin, dass solche Anwendungen ohne großen Programmieraufwand möglich und daher auch für kleinere Einrichtungen vorstellbar sind.

Abbildung: Mit einem Widget können Sie zum Beispiel auch auf die Möglichkeit einer SMS-Spende hinweisen.

Praxis-Tipp: Nach wie vor können Sie auch mit den bewährten Internet-Bannern arbeiten, um auf anderen Webseiten für Ihr Anliegen zu werben. Viele bundesweit arbeitende Hilfsorganisationen bieten verschiedene Banner zum Download auf ihren Webseiten an. Tun Sie es auch!

Nichts geht mehr ohne Facebook!

Facebook ist aus dem Internet nicht mehr wegzudenken und ist zu einer der Kernmedien des Bereiches „Social Media“ geworden. Viele Einrichtungen und Organisationen sind mit einer Facebook-Seite mittlerweile vertreten. Zwar lassen sich mit einer Facebook-Seite nicht allzu viele Spenden akquirieren, aber Sie haben die Möglichkeit, direkt mit Ihren Spendern in Kontakt zu treten, Informationen auszutauschen und ggf. Wünsche entgegenzunehmen. Dieser dauerhafte Dialog trägt zur Bindung bei und motiviert Ihre Spender zu einem weiteren Engagement.

Beispiel: Informationen über ProjektverlaufFacebook gibt Ihnen die Möglichkeit, aktuelle Informationen über den Projektverlauf kontinuierlich zu posten und auch Bilder vor Ort zu zeigen. Gemeinsam können Sie dann den erfolgreichen Abschluss mitteilen und viele „Gefällt mir!“ erhalten.Abbildung: Auf der Facebook-Seite von Greenpeace Deutschland (Hamburg) können Nutzer eigene Beiträge posten und mit einem Link oder einem Video auf Initiativen vor Ort hinweisen.

Online-Fundraising: Was bringt's?

Stellen Sie keine zu hohen Erwartungen an dieses Fundraising-Instrument. Der Anteil der Online-Spenden an den Gesamtspendeneinnahmen bei deutschen Hilfsorganisationen liegt durchschnittlich zwischen zwei und drei Prozent. Ausnahme ist, wenn anlässlich einer aktuellen Katastrophe um Spenden gebeten wird. Dann kann der Anteil bei bis zu 20 Prozent und mehr liegen. Es handelt sich bei diesem Instrument um eine strategische Investition in die Zukunft.

Fundraising bei Großspendern

In vielen großen, bundesweit agierenden Organisationen gibt es mittlerweile einen oder sogar mehrere Fundraiser, die sich ausschließlich um die sog. „Großspender“ kümmern. Was in den USA und in Groß Britannien schon seit vielen Jahrzehnten üblich ist, setzt sich auch in Deutschland immer mehr durch.

Großspender identifitieren und verwalten

Zu Beginn sollten Sie festlegen, ab welchem Spendenbetrag pro Jahr Sie einen Spender als Großspender einordnen und als solchen ansprechen wollen.

Sie könnten beispielsweise Förderer mit einer jährlichen Spendensumme

  • ab 250 € pro Jahr als potentielle Großspender,

  • ab 500 € als Großspender,

  • ab 5.000 € als Topspender

einstufen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Spende als gesamte Spende oder in mehrere Einzelspenden erfolgt. Die Höhe sollten Sie also von Ihren durchschnittlichen Spendeneinahmen pro Person und Jahr abhängig machen. Weitere Indikatoren sind, dass Personen regelmäßig gespendet haben und Ihre Spendenbeträge im Laufe der Zeit kontinuierlich erhöht haben.

Haben Sie Kategorien für Ihre Groß- und Ihre potentiellen Großspender entwickelt, sollten Sie die Spender in Ihrer Datenbank mit einem Kürzel oder einem Merkmal versehen (z.B. GS), um diese später bei Briefsendungen etc. besser selektieren zu können.

Praxis-Tipp: Sollten Sie eine Fundraising-Software haben, dann sprechen Sie Ihren Software-Dienstleister auf ein „Großspender-Tool“ an. Viele Fundraising-Programme verfügen bereits darüber. Hier fallen allerdings Mehrkosten an, die sehr stark variieren können.

Die Bedankung für eine große Spende sollte am besten telefonisch erfolgen, zumindest aber mit einem persönlichen Brief, im Idealfall original unterschrieben von einem Vorstandsmitglied. Großspender werten diese „Privilegien“ in der Regel als sehr positiv. Wenn der Kontakt über einem Kollegen oder bestimmten Person in Ihrem Verband zustande gekommen ist, kann es auch sinnvoll sein, dass dieser sich ebenfalls bedankt.

Großspendern sollten Sie die Möglichkeit gegeben, einen näheren Einblick in Ihre Arbeit zu erhalten. Wir haben Ihnen eine kleine Übersicht zusammengestellt, die Ihnen einige Beispiele nennt.

Übersicht: Informationen für Ihre Großspender
  • Kurzinformationen über einzelne Schritte der Projektarbeit

  • ausführlicher, jährlicher Projektbericht

  • Angebot eines Projektbesuches

"Dankeschön"- Standards festlegen

Denken Sie auch über kleine „Dankeschön“ nach. Erfahrene Großspenden-Fundraising empfehlen z.B.

  • persönliche Weihnachtskarten,

  • Geburtstagskarten,

  • einen handschriftlichen Gruß bei jedem Brief,

  • persönliche Einladungen zu Events,

  • persönliche Besuche.

Hierbei sollten Sie Standards festlegen, welcher Spender (potentieller Großspender, Großspender, Topspender) welche Informationen bzw. „Aufmerksamkeiten“ erhält. Natürlich gibt es Einzelfälle einer individuellen Betreuung, doch Standard-Abläufe lassen sich besser koordinieren und auswerten.

Sind Ihre Großspender identifiziert und werden sie individuell betreut, ist es wichtig, sie nun aktiv in Projekte mit einzubinden.

Beispiel: Für die Erneuerung eines Spielplatzes des Kindergartens einer Einrichtung der Paritäter werden 25.000 € benötigt. Diese hohe, aber zu erreichende Spendensumme kann den Großspendern als konkrete Summe kommuniziert werden. Diese Zielsumme ist für alle Antriebsmotor und zugleich Herausforderung.

Eine Projektvorstellung in Form einer Infomappe oder eines einfachen Flyers kann je nach „Status“ des Großspenders einem persönlichen Anschreiben beigelegt werden, oder im Einzelfall auch persönlich übergeben werden. In jedem Fall kann es aber sinnvoll sein in einem Telefonat den Förderer vorzubereiten.

Selbstverständlich sollten Sie Ihren Großspendern in besonderer, aber angemessener Weise und nicht übertrieben danken. Die Bedankung kann, neben einem Dankbrief, sehr gut mit einer Einladung zu einem Event gekoppelt werden. Zu einer Feierlichkeit anlässlich der Eröffnung z.B. des neuen Spielplatzes lassen es sich involvierte Großspender in der Regel nicht nehmen, dabei zu sein.

Dabei sollten Sie auch an Möglichkeiten denken, wie ein Großspender (wenn er möchte!) in Erscheinung treten kann. Ab einer bestimmten Spendensumme ist es beispielsweise möglich, einen symbolischen Scheck zu übergeben oder einen offiziellen Dank auf der Veranstaltung auszusprechen.

Achten Sie also auf eine gute Betreuung! Natürlich sollten Sie besonders den Großspendern einen reibungslosen Ablauf garantieren. Vom Einzug der Spende über den persönlichen Dankbrief und der Zuwendungsbestätigung bis hin zu weitergehenden Projektinfos – ein Großspender will nicht nur mit Zusatzinformationen versorgt werden, er möchte stets professionell betreut werden.

Großspenden-Fundraising: Was bringt's?

Es macht Sinn, Ihre – wenn auch wenigen – Großspender gut zu betreuen. Diese Spender tragen zu einem großen Teil der Gesamtspenden bei und sind so Ihrer Einrichtung oder Organisation über Jahre lang verbunden. Für Ihre Einrichtung ist dies ein Stück mehr finanzielle Planungssicherheit.

Bußgeld-Marketing

Hätten Sie es gewusst? Die Gerichte und Staatsanwaltschaften sind verpflichtet, Bußgelder gemeinnützigen Organisationen und Einrichtungen zuzuweisen. Mehrere Millionen Euro an Bußgeldern werden gemeinnützigen Einrichtungen und Organisationen zugewiesen. Bemühen auch Sie sich aktiv darum! Wir zeigen Ihnen, worauf Sie besonders achten sollten.

Tragen Sie sich in die Bußgeld-Liste ein

Um Bußgelder von Gerichten und Staatsanwaltschaften zu erhalten, empfiehlt es sich, sich in die jeweilige „Liste für gemeinnützige Organisationen“ eintragen zu lassen. In aller Regel müssen Sie einen Antrag auf Eintragung stellen. Fragen Sie zunächst beim zuständigen Oberlandesgericht an, welche Stelle für Sie zuständig ist und welche Unterlagen Sie einreichen müssen. Erfahrungsgemäß erhalten Sie ein Antragsformular zugesandt, das Sie mit einigen Unterlagen zurücksenden müssen.

Welche Unterlagen für den Antrag benötigt werden, ist bei den Gerichten sehr unterschiedlich. Folgende Unterlagen gehören in jedem Fall dazu:

  1. formloses Anschreiben

  2. Satzungsabdruck

  3. Freistellungsbescheid des Finanzamtes

  4. Bestätigung der Gemeinnützigkeit

  5. Zustimmung über die Entbindung des Finanzamtes von der Wahrung des Steuergeheimnisses

  6. Angaben zum Konto für Geldauflagen

Praxis-Tipp: Die Dauer der Eintragung beträgt in der Regel ca. zwei Jahre, danach müssen Sie sie erneuern. Manchmal erfolgt ein Hinweis vom Gericht! Legen Sie sich diesen Termin in Ihre persönliche Wiedervorlage.

Richten Sie ein Bußgeld-Konto ein

Bedenken Sie folgende Grundregel im Bußgeld-Marketing:

Grundsätzlich darf für eine Bußgeldzuweisung keine Zuwendungsbestätigung für den Beschuldigten ausgestellt werden.

Wichtig ist also die Einrichtung eines speziellen Bußgeldkontos. Erfahrungsgemäß legen die Gerichte sehr viel Wert darauf. Denn so können Sie am leichtesten kontrollieren, ob eine Überweisung eine zugewiesene Buße oder doch eine Spende ist.

Praxis-Tipp: Am einfachsten lassen Sie sich ein Unterkonto eines schon bestehenden Bankkontos bei Ihrer Hausbank einrichten. Dies verursacht kaum Kosten und ist aller Erfahrung nach sehr einfach möglich.

Zuverlässige Betreuung gewährleisten

Von großer Bedeutung ist, dass Sie sich dem Gericht gegenüber als zuverlässiger Partner erweisen, wenn es um die korrekte Bearbeitung eines zugewiesenen Bußgeldes geht. Die folgenden drei Praxis-Tipps helfen Ihnen, eine zuverlässige Betreuung zu gewährleisten.

Praxis-Tipp 1: Versenden Sie regelmäßig Bestätigungen, wenn Sie eine Bußgeldzuweisung erhalten haben. Auch einzelne Raten sollten Sie bestätigen, da u.U. die Zahlungsbereitschaft eines Büßers ausschlaggebend für ein Verfahren sein kann. Eine Abschlussbestätigung ist ebenso zu empfehlen.

Praxis-Tipp 2.: Gewährleisten Sie jederzeit Ihre Auskunftsfähigkeit. Es wäre sehr unangenehm, wenn Sie zum Beispiel auf die telefonische Anfrage eines Gerichts zunächst den Vorgang umständlich suchen müssten.

Praxis-Tipp 3.: Halten Sie stets persönlichen Kontakt zu den Sachbearbeitern im Gericht. Sie sind Ihre persönlichen Ansprechpartner. Pflegen Sie diesen Kontakt, denn oftmals kann ein Sachbearbeiter bei konkreten Fragen zu einem Bußgeldfall zügig weiterhelfen.

Ansprache durch Mailings

Eine durchaus angemessene und recht effiziente Ansprachemöglichkeit ist der Versand eines Mailings an alle Richter und Staatsanwälte der Gerichte z.B. in Ihrer Region. In diesem Mailing informieren Sie über Ihre Arbeit und weisen auf die Möglichkeit der Bußgeldzuweisung zugunsten Ihrer Einrichtung oder Organisation hin. Sie können auch einen persönlichen Gesprächstermin auf diese Weise vorbereiten.

Übersicht: Elemente eines Bußgeldmailings:

Ein Bußgeldmailing hat folgende, „klassische“ Elemente:

  • persönliches Anschreiben

  • Zahlscheine (zur Herausgabe an die Büßer)

  • Adressaufkleber

  • Informationsflyer über Ihre Arbeit (ggf. beispielhaft)

Praxis-Tipp: Den Versand eines Bußgeldmailings sollten Sie mit einem professionellen Dienstleister durchführen. Er erstellt und produziert Ihnen das Mailing nicht nur reibungslos, sondern er kennt auch die speziellen Postverteiler an den hiesigen Gerichten. Dienstleister finden Sie z.B. unter www.fundraisingverband.de.

Bußgeldmarketing: Was bringt's?

Nach einer Anlaufphase können Sie sich mit dem Bußgeldmarketing eine kontinuierliche Einnahmequelle zur Finanzierung Ihrer Projektarbeit erschließen. Wichtigste Erfolgsvoraussetzung ist die absolut zuverlässige Betreuung gegenüber den Gerichten.

Stand: 07/2012
Quelle: Verlag Dashöfer GmbH
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